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Die Edition Schrittmacher wird herausgegeben von: Michael Dillinger, Sigfrid Gauch, Arne Houben, Gabriele Korn-Steinmetz
und gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz.


Am siebten Tag erschuf Gott
die Vergänglichkeit

Edition Schrittmacher Band 27
Am siebten Tag erschuf Gott die Vergänglichkeit
Roman • Roman Schafnitzel
336 Seiten, 12,4 x 19,2 cm, Broschur
ISBN: 978-3-89801-227-0
Preis: 12,00 EUR


Der Autor:
Roman Schafnitzel, 1971 in Tettnang am Bodensee geboren. Studierte Germanistik und Sozialkunde in Saarbrücken, wo er auch sein Referendariat absolvierte. Seit 2001 unterrichtet er als Lehrer an einer Realschule in der Pfalz und lebt seit vielen
Jahren in Frankreich.


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Inhalt:
»Am siebten Tag erschuf Gott die Vergänglichkeit« erzählt die Geschichte eines Lebens an der deutsch-französischen Grenze. Jean-Pierre Dehlinger, geboren während des Ersten Weltkrieges, wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und kämpft zu Beginn des zweiten Weltkrieges als Soldat für die Französische Armee. Nach der Kapitulation ist er wie so viele Elsässer und Lothringer ein »Malgré-nous« und wird von der Wehrmacht zwangseingezogen. Während eines Heimaturlaubes gelingt es ihm zu desertieren und sich mit Hilfe seiner jungen Frau Marie in seinem Heimatdorf Schmittviller zu verstecken, um gegen Kriegsende noch in amerikanische Kriegsgefangenschaft zu geraten.
Der Roman beschreibt über drei Generationen hinweg nicht nur die Auswirkungen des deutsch-französischen Verhältnisses auf den »kleinen Mann«, sondern auch die Geschichte von
starken Frauen, die sich in den Wirren der Kriege und den Jahren danach behaupten. Frauen wie Marie und Eugenie Holzritter, die neben Not und Armut auch die althergebrachten Sichtweisen einer dörflichen Männerwelt erdulden müssen und dennoch den Glauben an die Liebe nicht verlieren wollen. Wie die junge Astride, die sich in den gut aussehenden Jean-Marie Hoffmann verliebt und ...


Leseprobe
Ein Dorf in Lothringen, 7. Oktober 2007 Es ist ein Sonntag, wie vor neunzig Jahren. Ein Sonntag im Herbst, der golden ist. Die Luft ist mild und würzig, die Blätter fallen sanft im Wind. In allen erdenklichen Farben, in gelb, rot, violett, braun, in den Farben eines Lebens.
Es ist kein gewöhnlicher Sonntag im Oktober, denn Pépé ist neunzig Jahre alt geworden. Sie sind alle gekommen zu seinem Geburtstag. Astride Hoffmann, die einzige Tochter, die nun selbst Großmutter ist. Ihr Gatte Jean-Marie Hoffmann, der Schwiegersohn, der ein alter Mann geworden ist. Früher konnten sich die zwei Männer nicht ausstehen, denn Pépé hielt ihn nicht würdig für seine geliebte Tochter. War er doch nur ein Coiffeur, ein Schönling, der in den Jahren des Freiens die wilde Musik der Amerikaner liebte, vielleicht auch schwarze, und jeden Rock als eine attraktive Beute erachtete. Auch wenn er später vernünftig wurde, Kamm und Schere gegen Postsack und R 4 wechselte und als Briefträger auf Lebenszeit für ein regelmäßiges Einkommen sorgte, er blieb der schwarzhaarige Nichtsnutz, dem man solch ein solides Mädchen, die geliebte Astride, nicht anvertrauen konnte. Zudem kam Jean-Marie nicht aus Schmittviller, jenem Dorf in Lothringen, sondern aus Etting. Selbst wenn Etting auch in Lothringen lag und nur fünf Kilometer entfernt war, es war nicht Schmittviller, das eigene Dorf. Und fünf Kilometer Entfernung konnten auch noch zu dieser Zeit eine andere Welt bedeuten, die es einzuteilen galt in Gut und Böse, in »Die da drüben« und »Wir hier«. Seine Enkelinnen, Aline und Muriel, sind selbstverständlich auch gekommen. Nun sind sie keine kleinen Kinder mehr, sondern erwachsene Frauen. Muriel hat einen Deutschen und Aline einen Mann aus dem Norden Frankreichs geheiratet. Pépés Enkelinnen sind stolze Mütter seiner Urenkel, drei an der Zahl: Lisa, Francise und Noé.