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Die Edition Schrittmacher wird herausgegeben von: Michael Dillinger, Sigfrid Gauch, Arne Houben, Gabriele Korn-Steinmetz
und gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz.


Todfreunde
Edition Schrittmacher Band 16
Todfreunde
Kriminalroman • Wolfgang Ohler
12,4 x 19,2 cm, Broschur
ISBN: 978-3-89801-216-4
Preis: 11,00 EUR


Der Autor:
Wolfgang Ohler
1943 in Zweibrücken geboren, wo er heute lebt, Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und Saarbrücken, Promotin zum Dr. iur., Richter in der Pfalz, zuletzt als Vizepräsident des Pfälzischen Oberlandesgerichts, seit 2008 in Ruhestand, Mitinhaber des Echo Verlags Zweibrücken.




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Nachwort
»Wolfgang Ohler, der von Hause aus Strafrichter ist, verkörpert gleichsam das Pfälzer Pendant zum Münchner Richter und Dichter Herbert Rosendorfer. Ohler ist ein überaus gebildeter Autor, der in seinen Romanen, Erzählungen und Essays eine Fülle literarischer Leseerfahrungen verarbeitet und eine Vielzahl von thematischen Bezügen herstellt. Er ist darüber hinaus ein vorzüglicher Geschichtenerzähler. Seine literarischen Arbeiten - welcher Gattung auch immer - strotzen geradezu von selbst erlebten und erfundenen Geschichten, die den Leser immer wieder in ihren Bann ziehen.«

Heinz Müller-Dietz, Rechtswissenschaftler in literarischen Werken, 2005

Leseprobe

Wolfgang Ohler

Todfreunde


»Das sieht ihm ähnlich. Er hat dir nichts erzählt? Er spielt auch mit dir seine Spielchen. Ein schrecklicher Mensch!« Marga schüttelte mit einem unwilligen Lächeln den Kopf. Dann wurde ihr Blick ernst und sie schaute mir prüfend in die Augen.
»Und nun erwartest du, dass ich dir sage, was damals passiert ist. Wieso nimmst du an, dass ich die Wahrheit kenne?« Wir saßen nebeneinander in der Mittagssonne auf der Bank vor dem Forsthaus. Der Sommer meldete sich mit einem südwarmen Wind zurück. Ich hängte die Jacke über die Rückenlehne und wickelte mir die Ärmel meines Flanellhemdes hoch. Ich war hier mit Alfred Mischo verabredet; für den nächsten Akt der Komödie, wie dieser am Telefon angedeutet hatte. Ich richtete es so ein, dass ich eine gute halbe Stunde vor der Zeit am Forsthaus war. Mischo hatte beiläufig erwähnt, er habe zuvor in der Stadt zu tun. Das war die Chance, mit Marga zu sprechen. Seit dem Vorfall mit der Weste und ihrer Ohnmacht waren wir uns nicht mehr begegnet. Marga zögerte nicht einen Augenblick, als ich sie um die Unterredung bat. Fast machte es den Eindruck, sie habe darauf gewartet und sei erleichtert. »Das liegt auf der Hand, Marga. Ich bin mir sicher, dass Alfred mich ganz bewusst zu dem ersten Treffen mit dem Schäfer mitgenommen und alles so inszeniert hat. Das habe ich ihm selbst ins Gesicht gesagt, und er hat nicht widersprochen. Auch hat er zugegeben, dass sie sich kennen, seit der Schulzeit. Und es war nicht zu überhören, dass es da Spannungen gibt, vielleicht sogar mehr als das: eine gegenseitige Abneigung, um nicht zu sagen Feindschaft. Die beiden belauern sich. Und dann du, Marga: Deine Reaktion auf unsere Rückkehr war doch mehr als verräterisch. Es hängt irgendwie mit der Weste zusammen, die du dem Schäfer gegeben hast. Mein Gott, das alles ist noch keine Woche her.«